Coaching und Supervision im Meilener Konzept der systemischen Therapie und Beratung Das Meilener Konzept systemischer Therapie und Beratung stellt das Fallverstehen in der Begegnung in den Mittelpunkt professionellen Denkens und Handelns. Fallverstehen bedeutet das Erkennen von typischen Mustern einer problematischen Lebenspraxis von Individuen, Familien und Organisationen, wobei sowohl die Ressourcen als auch die Belastungen thematisch werden. Begegnung bedeutet, Fallverstehen als einen Prozess zu gestalten, an dem die Beraterin oder der Berater sowie die Klienten gemeinsam beteiligt sind. Die Reflexion des organisatorischen und persönlichen Kontextes einer Beratung sowie das emotionale Engagement der Beraterin/des Beraters sind darin gleichermassen eingeschlossen.
Supervision und Coaching bedeutet im Meilener Konzept die Beobachtung eines beraterischen Handlungsprozesses mit dem Ziel der Lösung der präsentierten Probleme. Auch hier liegt der Fokus auf dem Fallverstehen in der Begegnung. Ein wesentliches Anliegen der Supervision ist es, Einzelne und Gruppen in ihrem jeweiligen organisatorischen Kontext bei der Weiterentwicklung ihrer professionellen Handlungskompetenzen zu unterstützen.
Ziele der Weiterbildung Die beiden Begriffe Coaching und Supervision sind von ihren Inhalten her weitgehend identisch. Ob der eine oder andere Begriff verwendet wird, hängt vom Kontext ab, in dem Coaching bzw. Supervision praktiziert wird. Im Wirtschaftsbereich redet man vorwiegend von Coaching. In Kontexten des Gesundheits- und Sozialwesens hat sich der Begriff Supervision eingebürgert. Die Dozentinnen und Dozenten, welche bei uns Weiterbildungen anbieten, sind zum Teil in beiden Bereichen tätig und vermitteln Wissen und Können dazu auch aus der eigenen Praxiserfahrung.
Unter Coaching verstehen wir die Unterstützung von Menschen in Arbeitsteams sowie in Führungspositionen, die mit einem Blick von aussen ihre Situation klarer erkennen und Möglichkeiten finden wollen, persönliche und berufliche Problemlagen zu lösen. Neben der Vermittlung konkreter Vorgehensweisen liegt uns bei dieser Weiterbildung daran, die Person des Coach als lernende Persönlichkeit zu fördern. Bisherige AbsolventInnen sind gerne bereit, auf Anfrage Auskunft über diesen Kurs zu geben.
Unser Weiterbildungsangebot ist als Postgraduierten-Kurs und nicht als Grundausbildung in Supervision oder Coaching geplant. Das heisst, unser Kurs schliesst an eine (möglichst systemisch orientierte) beraterische oder therapeutische Grundausbildung und längere Berufserfahrung an. Er ist also nicht vergleichbar mit Angeboten, welche Supervision als eigentliche Berufsausbildung verstehen. Supervision und Coaching sind aus unserer Sicht Tätigkeiten, die auf Erfahrung in Beratung und Therapie aufbauen. Wir setzen also Basiswissen und Beratungs¬erfahrung bereits voraus! Das Lehrsupervisorenteam zeichnet sich aus durch langjährige eigene Supervisionserfahrung im Kontext von Non-Profit- und (teilweise) Profit-Organisationen sowie durch Forschungsarbeit zur Theoriebildung und Evaluation von beraterischen und supervisorischen Prozessen. Unser Angebot repräsentiert unterschiedliche Arbeitsstile und Praxiskontexte, die sowohl in die Konzeptentwicklung als auch in die Vermittlung von theoretischem und praktischem Wissen einfliessen.
Übergreifendes Ziel dieser Weiterbildung ist es zu vermitteln, wie Supervisorinnen und Supervisoren bei Supervisanden bzw. Coachees und in deren Kontext Veränderungen im Erkennen und Handeln erzeugen können. Die Kursteilnehmenden lernen, Verhaltens- und Bedeutungsmuster einer vorgestellten Situation und ihre Rahmenbedingungen sowie den darauf bezogenen Supervisionsprozess zu verstehen, zu unterstützen und gegebenenfalls zu modifizieren. Sie vertiefen ihre Fähigkeit, für ihre Klienten einen soliden affektiven Rahmen zu schaffen, der die theoriegestützte Fallarbeit fördert und modellhaft auf die Tätigkeit der Supervisanden übertragen werden kann. Denn wir sind der Ansicht, dass Veränderungen nur auf dem Boden einer sicheren affektiven Basis möglich sind.
Dem Meilener Konzept folgend, sind diesem übergreifenden Anliegen Teilziele zugeordnet. Bezogen auf die Klienten geht es um das Fortentwickeln von Wissen über Lebenswelten und Interaktionsstrukturen von Einzelnen und Teams. Hinsichtlich der jeweiligen Organisationen wollen wir die Kenntnis von institutionellen Umwelten beraterischer und therapeutischer Kontexte erweitern. Kenntnisse vielfältiger Aspekte der Organisationsentwicklung in Profit- und Non-Profit-Organisationen werden vermittelt.
Den Teilnehmenden in unserer Weiterbildung wollen wir auch Fähigkeiten vermitteln, ihre Supervisanden darin zu unterstützen, persönliche Lebens- und Familienthemen zu erkennen und die entsprechenden Erfahrungen auf den Beratungsprozess zu übertragen. Im Bereich der Methoden soll unter dem Aspekt der Perspektivenvielfalt ein breites Spektrum von Zugehensweisen genutzt werden. Diese werden gestützt durch ein Fallverstehen, das sich „massgeschneidert“ mit Menschen und Organisationen entwickeln lässt. Dabei binden wir uns nicht rigide an bestimmte Schulen von Beratung und Therapie, sondern nehmen Anteil am breiten Fortschritt der Sozial- und Verhaltenswissenschaften, der Medizin und der Organisationspsychologie. Methodisch-didaktisches Konzept der Theorievermittlung
Das Meilener Konzept von Supervision, Coaching und Organisationsentwicklung fördert der jeweiligen Situation angemessenes professionelles Handeln. Coaching und Supervision verstehen wir als theoriegestützte wie auch emotional gerahmte Fallarbeit. Damit ist die Weiterbildung explizit praxisbezogen; sie reflektiert den beruflichen und persönlichen Alltag der Kursteilnehmenden sowie des Dozententeams.
Unsere Didaktik entspricht dem Prinzip der Selbstorganisation menschlichen Lernens. Wir legen grossen Wert auf die Eigenverantwortlichkeit der Teilnehmenden bei der gemeinsamen Bearbeitung der Kursthemen und bei der Gestaltung ihrer eigenen Supervisionsprozesse. In der Theorievermittlung betonen wir Arbeitsformen, bei denen in themenzentrierten Kleingruppen Beiträge einzelner aus ihrem Arbeitsbereich aufgegriffen werden. Dadurch können spezifische Vorgehensweisen in unterschiedlichen organisatorischen Kontexten erprobt werden. Ein grosses Anliegen ist uns, den Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern zu ermöglichen, persönliche, beraterische und theoretische Möglichkeiten und Grenzen zu erkennen und konstruktiv zu erproben. An die Stelle eines schulischen Curriculums (sog. „roter Faden“) stellen wir die mehrperspektivische Behandlung zentraler Themen von Coaching und Supervision, wie sie sich aus dem Meilener Konzept (als „Landkarte“) ergeben. Methodisch-didaktisches Konzept der Lehrsupervision
Die Mitglieder des Kernteams bieten die Lehrsupervision zu gleichen Teilen an, während die Supervisionsgruppen über den gesamten Weiterbildungszeitraum identisch bleiben. Damit ist gewährleistet, dass zum einen die Lehrsupervision aus unterschiedlichen Praxisperspektiven angeboten wird und zum anderen eine Lerngruppe entsteht, die aufgrund zunehmender Vertrautheit auch über den Kurs hinaus zu wechselseitiger Unterstützung fähig wird. Durch die enge Verbindung des Kernteams mit zwei Gastdozenten wird die Kontinuität des Lernprozesses gesichert.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprechen untereinander ab, wer jeweils Fälle aus der eigenen Supervisionspraxis vorstellt, und sie übernehmen die Verantwortung für die inhaltlichen Schwerpunkte des jeweiligen Supervisionstages. Aufgabe des Lehrsupervisors/der Lehrsupervisorin ist es, den Supervisionsablauf zu moderieren sowie Unterstützung beim Erkennen von Fallstrukturen im Bereich der Klienten, des Beratungsprozesses und des organisatorischen Umfeldes zu bieten. Zur Lehrsupervision gehört, dass die Gruppenmitglieder aktiv eine Vielfalt möglicher Vorgehensweisen üben, z.B. im Rollenspiel. Ausserdem werden sie unterstützt bei der Herausbildung eines angemessenen emotionalen Rahmens für den Lernprozess. Dieser Rahmen ermöglicht es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, eigene Ressourcen wie auch Schwierigkeiten in der Supervisionspraxis offen und angstfrei zu erkennen und mit der Gruppe Lösungen zu entwickeln. Themenkatalog
Das Meilener Konzept der Supervision
- Die Entwicklung einer professionellen Haltung als Ziel von Supervision
- Die Person des Supervisors, der Supervisorin im professionellen und biographischen Kontext
Organisationen und ihre Entwicklung
- Strukturen
- Prozesse
- Aufgaben
- Kulturen
- Supervision als Teil von Qualitätssicherung und Entwicklung in Organisationen
- Entwicklungen im Sozial- und Gesundheitswesen
Führung, Macht, Organisation
- Coaching von Einzelnen (z.B. in Führungspositionen)
- Unterschied zu Einzelberatung bzw. –therapie
- Erschliessen des organisatorischen Kontextes und der Aufgaben der Coachees
- Umgang mit Möglichkeiten und Begrenzungen
- Sprache, Machtstrukturen und Gender
- Das Verhältnis von Supervision und Führung in Organisationen
- Supervision als Konfliktmanagement in Teams und Organisationen
Kommunikation- Über die Wahrscheinlichkeit des Missverstehens und die Herausforderung des Verstehens in Arbeitszusammenhängen und deren Reflexion
Teams
- Teamentwicklung
- Aufgaben, Aufträge und Projekte
- Fehlentwicklungen
- Teams und ihre Kunden
Methoden und Arbeitsweisen Organisatorische und emotionale Rahmungsprozesse in Beratung und Supervision: Handwerkliche Grundlagen supervisorischer Prozesse
- Contracting und Zielsetzung
- Prozessgestaltung: Erkennen von Handlungs- und Orientierungsmustern
- Individuelle Arbeitsstile: Umgang mit persönlichen Stärken und Handicaps
- Projekte „aufgleisen“ mit zirkulärem statt linearem Ansatz
- Erkennen von Vielfalt in Sprach- und Ausdrucksformen
- Umgang mit Konkurrenz zwischen Supervisoren und Konzepten
- Vorgesetzte als Supervisoren
- Gestaltung möglicher Zukünfte
- Die Sequenzanalyse als Technik zum Erschliessen von Sinnstrukturen
- Möglichkeiten von Intervision und Selbstsupervision
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